Griechenland macht es Einsteigern eigentlich leicht. Es gehört zur Europäischen Union, bezahlt wird mit Euro, österreichische Staatsbürger benötigen kein Visum und das Handy funktioniert dank EU-Roaming grundsätzlich wie zuhause. Und trotzdem gibt es ein paar Dinge, die Griechenland-Neulinge gerne unterschätzen. Manche davon sind banal. Andere können darüber entscheiden, ob der Urlaub entspannt beginnt – oder bereits am ersten Tag mit einem verpassten Fähranschluss endet.
1. Griechenland ist größer und vielfältiger, als es auf der Landkarte aussieht

„Wir machen Athen, Meteora, Delphi und danach noch ein paar Inseln.“ In einer Woche. Kann man planen. Sollte man vielleicht nicht.
Griechenland besitzt mehr als 200 bewohnte Inseln, ein großes und teilweise ausgesprochen gebirgiges Festland und Distanzen, die auf der Landkarte schnell kleiner wirken, als sie tatsächlich sind. Auch Inseln sollte man nicht unterschätzen. Kreta beispielsweise ist keine kleine Ferieninsel, die man gemütlich an einem Nachmittag umrundet. Zwischen Chania im Westen und Sitia im Osten liegen mehrere Stunden Autofahrt.
Dasselbe gilt beim Inselhüpfen. Paros und Naxos liegen nahe beieinander und lassen sich wunderbar kombinieren. Zwei Inseln, die auf der Karte ähnlich nah erscheinen, müssen deshalb aber noch lange keine praktische direkte Fährverbindung besitzen.
Für den ersten Griechenlandurlaub gilt deshalb:
Weniger ist meistens mehr.
Lieber eine Region richtig erleben als jeden zweiten Tag Koffer packen. Wer eine Woche Zeit hat, braucht nicht vier Inseln. Und wer zwei Wochen auf Kreta verbringt, muss sich ganz bestimmt nicht langweilen.
2. Juli und August sind nicht automatisch die beste Reisezeit

Wenn wir in Österreich an Griechenland denken, denken wir meistens an Sommer. Blauer Himmel. Meer. 35 Grad. Genau diese 35 Grad können allerdings auch anstrengend werden. Griechenland besitzt mediterranes Klima mit langen sonnigen Sommern. Besonders im Hochsommer sind hohe Temperaturen normal, bei Hitzewellen können sie deutlich darüber liegen. Das österreichische Außenministerium weist außerdem darauf hin, dass von Frühling bis Herbst mit Waldbränden gerechnet werden muss. Für klassischen Badeurlaub funktionieren Juli und August natürlich hervorragend.
Wer allerdings antike Stätten besichtigen, wandern, Städte erkunden oder mit dem Mietwagen viel unterwegs sein möchte, sollte auch Mai, Juni, September und teilweise Oktober in Betracht ziehen. Dann ist das Meer vielerorts bereits beziehungsweise noch angenehm, während Ausflüge wesentlich entspannter sein können. Und selbst im Hochsommer hilft eine einfache griechische Strategie:
Nicht alles zur heißesten Tageszeit erledigen.
Die Akropolis um 14 Uhr bei 38 Grad muss man nicht als persönliche Herausforderung betrachten.
3. Reisepass oder Personalausweis mitnehmen – das Handy allein reicht nicht

Für österreichische Staatsbürger ist die Einreise unkompliziert. Ein für die gesamte Reisedauer gültiger Reisepass oder Personalausweis genügt. Ein Visum ist nicht erforderlich. Wichtig: Digitale Ausweise über ID Austria werden derzeit ausschließlich innerhalb Österreichs akzeptiert und ersetzen das physische Reisedokument im Ausland nicht. Das klingt selbstverständlich, wird aber in Zeiten digitaler Führerscheine und Handy-Wallets zunehmend relevant. Der gute alte Personalausweis im Geldbörsel hat also weiterhin eine Aufgabe. Besondere Aufmerksamkeit ist bei Reisen mit minderjährigen Kindern sinnvoll. Reisen Kinder ohne beide gesetzlichen Vertreter, können zusätzliche Einverständniserklärungen und Dokumente erforderlich sein. Das österreichische Außenministerium veröffentlicht dazu jeweils aktuelle Hinweise.
Und noch ein Tipp:
Ein Foto oder Scan der wichtigsten Dokumente getrennt vom Original aufzubewahren, kann bei Verlust einiges erleichtern.
4. Die e-card gehört mit – aber sie ersetzt keine Reiseversicherung

Auf der Rückseite der österreichischen e-card befindet sich die Europäische Krankenversicherungskarte, kurz EKVK. Mit ihr können österreichische Versicherte in Griechenland medizinisch notwendige Leistungen bei Einrichtungen des öffentlichen beziehungsweise angeschlossenen Gesundheitssystems nach den dort geltenden Bedingungen in Anspruch nehmen. Vor der Reise lohnt sich ein kurzer Blick auf die Rückseite. Sind dort statt der Daten nur Sternchen eingetragen, gilt die Karte nicht als gültiger Anspruchsnachweis. In diesem Fall kann beim österreichischen Krankenversicherungsträger eine provisorische Ersatzbescheinigung beantragt werden.
Wichtig ist außerdem:
Die EKVK ist keine vollständige Reiseversicherung.
Private medizinische Leistungen, ein medizinisch notwendiger Rücktransport nach Österreich oder andere Zusatzkosten werden dadurch nicht automatisch abgedeckt. Eine zusätzliche Reiseversicherung kann daher weiterhin sinnvoll sein. Die e-card gehört also ins Reisegepäck. Aber sie ist kein Zauberkärtchen für sämtliche Eventualitäten.
5. Kartenzahlung funktioniert sehr gut – etwas Bargeld schadet trotzdem nicht

Das alte Bild vom Griechenlandurlaub, bei dem man vor Abflug stapelweise Bargeld mitnehmen musste, ist längst überholt. Nach Angaben der griechischen Steuerbehörde müssen inzwischen nahezu alle Hotels, Restaurants, Bars, Cafés, Mietwagenunternehmen und sonstigen Anbieter von Waren oder Dienstleistungen Kartenzahlungen akzeptieren. Ausnahmen bestehen nur für bestimmte Bereiche. Man kann also in Griechenland sehr weit mit Bank- oder Kreditkarte kommen. Trotzdem würde ich niemals völlig ohne Bargeld reisen. Ein kleines Kafeneio im Bergdorf, ein abgelegener Strand, eine kleine Ausgabe unterwegs oder eine technische Störung – ein paar Euro in der Geldbörse sind einfach praktisch. Außerdem lohnt es sich, auf die Rechnung zu achten.
In Griechenland heißt die Quittung:
Apódixi – απόδειξη.
Die griechische Steuerbehörde weist ausdrücklich darauf hin, dass Betriebe ihren Kunden eine gültige Rechnung beziehungsweise Quittung ausstellen müssen. Die beste Mischung lautet daher:
Karte als normales Zahlungsmittel – Bargeld als Reserve.
6. Fähren gehören zu Griechenland – aber Anschlüsse brauchen Luft

Wer eine Insel ohne Direktflug besucht, wird früher oder später Bekanntschaft mit dem griechischen Fährsystem machen. Und das ist meistens ein wunderbarer Teil der Reise. Man sitzt an Deck, der Hafen verschwindet und irgendwann taucht die nächste Insel am Horizont auf.
Nur sollte man daraus keinen Schweizer Fahrplan machen. Fährverbindungen können sich saisonal ändern, Fahrzeiten unterscheiden sich je nach Schiff und besonders starker Wind kann zu Verzögerungen oder Ausfällen führen. Das Wichtigste für Neulinge lautet deshalb:
Plane Flug und Fähre nicht zu knapp hintereinander.
Wer um 14:20 Uhr in Athen landet und um 16 Uhr eine Fähre ab Piräus gebucht hat, besitzt keinen Reiseplan. Er besitzt ein Glücksspiel. Nach der Landung folgen Gepäckausgabe, Transfer zum Hafen, Verkehr und Check-in. Noch wichtiger ist die Rückreise:
Eine Fähre von der Insel sollte niemals so knapp vor dem Heimflug geplant werden, dass bereits eine Verspätung den gesamten Rückflug gefährdet. Bei besonders wichtigen Anschlüssen kann eine zusätzliche Nacht in Athen oder am Abflughafen wesentlich entspannter sein. Im Hellas-Magazin werden wir dem Thema Fähren deshalb ohnehin einen eigenen Schwerpunkt widmen.
7. Ein Mietwagen kann großartig sein – aber griechische Straßen sind nicht überall gleich

Ein Auto eröffnet in Griechenland völlig neue Möglichkeiten. Plötzlich sind kleine Bergdörfer erreichbar. Abgelegene Strände. Tavernen, die kein Reisebus anfährt. Auf größeren Inseln und am Festland kann ein Mietwagen deshalb einen Urlaub erheblich bereichern. Trotzdem sollte man bei der Buchung nicht ausschließlich auf den niedrigsten Tagespreis schauen.
Wichtig sind insbesondere Versicherungsschutz, Selbstbehalt, Kaution, Tankregelung und eventuelle Ausschlüsse. Die EU empfiehlt ausdrücklich, vor Übernahme zu klären, wie hoch die eigene Haftung bei einem Unfall ist, und das Fahrzeug bei Abholung sowie Rückgabe sorgfältig zu kontrollieren. Auch die Straßen verdienen etwas Respekt. Zwischen Athen und Thessaloniki fährt man auf modernen Autobahnen. Ein paar Kilometer weiter kann eine Inselstraße schmal werden, sich ohne Leitplanke den Berg hinaufwinden und gerade breit genug für ein Auto wirken. Das bedeutet nicht, dass Autofahren in Griechenland schwierig wäre. Aber:
Google Maps kennt die Breite einer Straße manchmal besser theoretisch als praktisch.
Und wenn der vermeintlich schnellste Weg plötzlich wie die Zufahrt zu einem Ziegenstall aussieht, darf man durchaus umdrehen.
8. Eine griechische Taverne funktioniert ein bisschen anders
Der erste Tavernenbesuch gehört zu den schönsten Momenten eines Griechenlandurlaubs. Und vermutlich beginnt er mit einem Missverständnis.
Wir sind gewohnt:
Vorspeise.
Hauptgericht.
Nachspeise.
Jeder bestellt seins.
In einer traditionellen griechischen Runde funktioniert das häufig anders. Mehrere Gerichte kommen in die Mitte des Tisches und werden gemeinsam gegessen. Salat, Tzatziki, Feta, Gemüse, Mezedes, Fisch oder Fleisch erscheinen teilweise nacheinander, wenn sie fertig sind. Man wartet deshalb nicht unbedingt, bis jeder sein eigenes Hauptgericht vor sich stehen hat. Und man sitzt häufig länger. Viel länger. Auch die Rechnung kommt nicht zwingend ungefragt unmittelbar nach dem letzten Bissen. Wer bezahlen möchte, fragt einfach:
„Ton logariasmó, parakaló.“
Die Rechnung, bitte.
Vielleicht kommt vorher noch Wassermelone, Kuchen, Joghurt oder ein kleines Glas aufs Haus. Das muss nicht passieren. Wenn doch, ist es ein Kerasma, eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses. Die wichtigste Regel lautet ohnehin:
Nicht versuchen, eine griechische Taverne möglichst effizient abzuwickeln.
Dafür ist sie der falsche Ort.
9. Handy und Internet funktionieren unkompliziert – aber offline ist trotzdem manchmal besser

Für österreichische und deutsche Mobilfunkkunden ist Griechenland angenehm unkompliziert. Als EU-Mitglied nimmt Griechenland am europäischen „Roam like at Home“ teil. Anrufe, SMS und mobile Daten werden grundsätzlich entsprechend dem heimischen Tarif behandelt; bei bestimmten Datentarifen können Fair-Use-Grenzen gelten. Google Maps, Wetter-App, Online-Banking und Nachrichten funktionieren also grundsätzlich wie zuhause. Auf kleineren Inseln, in Gebirgsregionen oder abgelegenen Buchten kann der Empfang trotzdem einmal schwächer sein. Deshalb ist es keine schlechte Idee, wichtige Dinge vorher offline verfügbar zu machen:
- Hoteladresse
- Fährtickets
- Flugtickets
- Mietwagenunterlagen
- eine Offline-Karte der Region
- und vielleicht auch den Namen des Hotels auf Griechisch.
Nicht weil Griechenland digital rückständig wäre, sondern weil auch das modernste Smartphone auf einer einsamen Bergstraße ohne Empfang nur noch eine ziemlich teure Kamera ist.
10. 112 merken – und Warnmeldungen ernst nehmen
Die wichtigste Nummer für den Griechenlandurlaub ist einfach:
112.
Der europäische Notruf ist in Griechenland rund um die Uhr kostenlos erreichbar und verbindet bei Bedarf Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Küstenwache. Die Mitarbeiter können Anrufe unter anderem auf Griechisch und Englisch bearbeiten. Besonders wichtig ist außerdem das griechische Warnsystem. Bei Waldbränden, schweren Unwettern, Überschwemmungen oder anderen akuten Gefahren können Mobiltelefone im betroffenen Gebiet automatisch eine 112-Cell-Broadcast-Warnung erhalten. Das funktioniert auch bei ausländischen Mobiltelefonen, sofern das Gerät die entsprechenden Notfallmeldungen unterstützt. Wer plötzlich einen ungewohnt lauten Alarmton am Smartphone hört und eine Nachricht von 112 sieht:
Nicht wegklicken und weiterbaden.
Nachricht lesen und Anweisungen beachten und gegebenenfalls das betroffene Gebiet verlassen. Das österreichische Außenministerium empfiehlt während der Waldbrandsaison ausdrücklich, sich über die aktuelle Lage zu informieren und den Anweisungen der griechischen Behörden zu folgen.
Und vielleicht noch das Wichtigste: Nicht alles vorher planen
Das waren zehn praktische Dinge. Aber eigentlich fehlt noch eines.

Griechenland belohnt Menschen, die ein bisschen Platz im Reiseplan lassen. Vielleicht entdeckt man unterwegs eine Bucht, an der man länger bleiben möchte. Vielleicht erzählt der Wirt von einem Dorf, das man vorher noch nie gehört hat. Vielleicht fährt die geplante Fähre erst morgen, oder aus dem kurzen Kaffee auf der Platia werden zwei Stunden. Nicht alles davon ist ineffizient. Manches davon ist Urlaub. Natürlich lohnt es sich, Flug, Unterkunft, Mietwagen und wichtige Fährverbindungen sorgfältig zu organisieren, aber zwischen all diesen Reservierungsnummern darf ruhig etwas Raum bleiben, denn irgendwann kommt bei fast jedem ersten Griechenlandurlaub dieser Moment:
Man sitzt am Abend in einer Taverne, der Tag war heiß und auf dem Tisch stehen mehr Teller als bestellt geplant waren. Irgendwo zirpen die Zikaden, das Handy liegt unbeachtet daneben und plötzlich versteht man, weshalb so viele Menschen nicht nur einmal nach Griechenland fahren.
Sondern immer wieder.
Stand der rechtlichen und sicherheitsrelevanten Informationen: September 2026. Einreisebestimmungen, Verkehrsregeln, Gesundheitshinweise und Sicherheitsinformationen können sich ändern. Vor Reiseantritt empfiehlt sich insbesondere für österreichische Reisende ein Blick auf die aktuellen Reiseinformationen des österreichischen Außenministeriums.
